Mariusz Mielęcki

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Die gotischen Traeume des Mariusz Mielęcki
Zu Beginn der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich Mariusz Mielęcki den Ort Michałowice im Riesengebirge als Ort fuer seine kuenstlerische Taetigkeit auserkoren. Er kam zusammen mit Freunden aus Gdingen hierher, die das mittlerweile bekannt gewordene Theater „Cinema“ gruendeten.
Seine plastischen Arbeiten entstanden bereits viel frueher. Er besuchte die Hochschule fuer Bildende Kuenste, nach Theaterarbeit in Gdingen folgten bald erste Ausstellungen in auslaendischen Galerien.
Mit großem Bedauern erzaehlt der Kuenstler von einer ganzen Sammlung Fotogramme aus dieser Zeit, die durch einen Diebstahl unwiederbringlich verloren ging. „Die ganze Dokumentation meiner fruehesten Werke wurde vermutlich allein wegen der dekorativen Mappe mitgenommen, in der ich sie aufbewahrte – der Zyklus, mit dem ich begonnen hatte – Pastiches von Grabportraets und vieles andere. Bis heute erinnere ich mich an die Atmosphaere bei der Entstehung dieser Arbeiten, ein aussergewoehnlicher Rhythmus, ein erhoehter Pulsschlag, der Geruch von Terpentin und Gregorianische Choraele.“
1992 kam der Kuenstler nach Michałowice, um - wie er selbst es ausdrückte – „Boeckchen“ zu malen. Hinter dieser unscheinbaren Bezeichnung verbirgt sich der imponierende Zyklus „Gotische Traeume“, der jenseits aller Modeerscheinungen steht. Jede dieser in Altgold gerahmten Darstellungen erzaehlt aehnliche, und doch immer verschiedene Geschichten von weissen Hirschen und Einhoernern vor daemmernden Landschaften. Diese phantastischen Wesen haben keine Entsprechung in der Realitaet, sie entstammen einem idealen Land, in dem ein goldener Abendhimmel ewige Harmonie ueberwoelbt. Zwischen die Oberflaeche des Gemaeldes und das Glas steckt der Kuenstler gelegentlich Gegenstaende – raetselhafte Buendel und Bueschel, trockenes Moos von den Sudetenwiesen, eine Puppe, gehuellt in das Grabtuch eines Spinnennetzes. „Sie sieht aus, als sei sie tausend Jahre alt“, so kommentiert er es mit einem Augenzwinkern.
Nach seinen Vorbildern unter den grossen Meistern gefragt, verweist der Kuenstler nicht unbedingt auf flaemisch-franzoesische Einfluesse aus dem ausgehenden Mittelalter: „Man muss sich Bilder von Dorfkirchen ansehen, die Moenche gemalt haben. Das ist wie Kammermusik eines etwas erschoepften Bach. Hier finde ich meine Wegweiser fuer die Malerei. Ja, in etwa so – ich mag diejenigen, die sich am wenigsten lautstark aeussern. Alles, was heute entsteht, ist nur eine Art Uebung. Alles Grosse ist bereits gemalt. Ich sass einmal im Kunsthistorischen Museum vor den Bildern Pieter Breughels und hoerte ihn lachen. Bei ihm ist alles schon da, alles, was war, und alles, was kommen wird.“
Auf den Bildern Mariusz’ Mielęckis, strahlt im Glanz der Unschuld eine Hirschkuh mit dem Kopf einer Gans, in gebetartiger Versenkung auf einer Wiese gelagert, Zentaurentier.
Der Kuenstler erklaert dazu: „Ich kann alle Geschoepfe der Welt bilden, aber das hat nichts mit Mythologie zu tun. Der Rahmen gibt ihnen eine sakrale Dimension, unabhaengig davon, ob es sich um eine Gans oder ein Einhorn handelt. Es erinnert an jene „Geheimnisse“ aus Kindertagen, wenn man die damaligen Schaetze vor neugierigen Augen verbergen wollte. Ich hatte einen kleinen Plastikteddy. Fuer den machte ich ein Geheimversteck im Wald. Die meisten Kinder tun so etwas – fuer ein Stofftier, oder fuer einen toten Vogel und ein Stueck Moos – das sind solche Arrangements aus fruehester Kindheit. Einer besonders vertrauten Person hat man es manchmal verraten, aber niemandem sonst.“
In seinem Zimmer hat Mielęcki noch einen „Gotischen Traum“, der von der Ausstellung geblieben ist. Vor ihm haben einige Schuelerinnen waehrend der Vernissage angefangen zu tanzen, als sie Musik hoerten. Die Musik kam aus Lautsprechern und aus den Bildern: der schwarze Raum mit dem roten Teppich war erfuellt von goldenen, samtenen Toenen.
Henryk Dumin