Aleksandra Domaradzka

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Aleksandra Domaradzka wurde 1976 geboren. Sie absolvierte die Kunstakademie in Wrocław, in der Fachrichtung Graphik. 2001 schloß sie ihr Diplom ab mit einer Arbeit zur Graphik bei Herrn Prof. Andrzej Basaj sowie zur Fotografie und zur Projekt-Graphik. Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, unter anderem in Berlin, Straßburg, Kraków Wrocław und Częstochowa.

Die Künstlerin verwendet viele Techniken, beginnend bei traditionellen Formen der Graphik, Aquaforte, Aquatinta, über Zeichnungen bis hin zur Fotografie. Häufig verbindet sie diese Techniken in einem Werk.
Die Ätzprozesse sowie die Anfertigung der Matrizen, zeitaufwendige Arbeitsschritte, die ein hohes Maß an Präzision erfordern, sowie die spätere Verbindung der Druckabzüge mit Elementen der Zeichnung beziehungsweise der Fotografie, dienen stets der Suche nach bestimmten Farbeffekten, deren erstes Vorbild die Farbharmonie der Natur ist. Diese Arbeiten erinnern an Puzzlebilder. Zusammengefügt aus Zeichnungen, Fotografien und transparenten Farbschichten erforschen sie die Möglichkeiten der gegenseitigen Durchdringung verschiedener künstlerischer Welten, vor allem aber sind sie die Quintessenz jenes Augenblickes, wenn diese ihren Zusammenklang finden, gleich einer durchkomponierten Sonate.
Die Analogien zur Farbharmonie der Natur sind in den Arbeiten Aleksandra Domaradzkas offensichtlich. Auch die Themenwahl verrät diese Inspirationsquelle. Lilien, Tulpen, Sonnenblumen, Mohnblumen, japanische Blumen haben in diesem Schaffen ihren festen Platz. Übernommen aus Musterbüchern des 18. Jahrhunderts, tragen sie noch ihre lateinischen Namen. Manchmal schmückt sie ein Band mit einem Goethe-Zitat in Frakturschrift, manchmal tritt nur ein dekoratives Element hinzu. Eine Enzyklopädie der Aufklärung, und eine vollkommene Welt vielfältigster Farbgebung zugleich.
Neben den Blumenmotiven finden wir auch fotografische Akte. Der Akt, im Mittelpunkt zwar, ist dennoch nie demonstrativ, stets enthält er ein Element der Verhüllung, sei es konkret gegenständlich oder bewirkt durch die Komposition. Diese Arbeiten unterscheiden sich von den besprochenen, farbensatten Bildern durch scharfe Lichtgebung und eine erotische Aura. Die Künstlerin lockt uns mit dem Versprechen einer Enthüllung, und beugt ihr gleichzeitig vor, indem sie dem vorwitzigen Blick des Betrachters subtile Hindernisse in den Weg legt, in Form einer Blüte etwa, eines Blattes, oder eines winzigen Bilderrahmens. Alle diese Akte rufen jene Assoziationen auf, die unsere Kultur mit Weiblichkeit verbindet – Erotik, Sinnlichkeit, Geheimnis, Vitalität. So entstehen Darstellungen von Frauen, die sich ihrer Kraft bewußt sind, und doch zugleich distanziert gegenüber dem eigenen Körper und den kulturellen Konstruktionen, nach denen sie für gewöhnlich wahrgenommen werden.
Die auf den ersten Blick dekorativen Arbeiten Aleksandra Domaradzkas gewinnen so eine neue, kritische Bedeutungsebene. Aufgrund der komplizierten Verbindung der verschiedenen Elemente, die von den Matrizen beziehungsweise unmittelbar aufs Papier übertragen werden, entstehen viele ihrer Arbeiten als Unikate oder nur in geringen Auflagen.